
das internet und die meinungsfreiheit
29/05/2010geschätzt sind es genau 1322millionenmilliardenbillionen adressen in diesem weltwunder internet, da kannst du dich bilden und lernen, wie der heimwerker mit den geschickten händen eine atombombe baut.
du kannst auch dokumentarisches dir anschauen: sieh mal, wie anmutig sich der afghane mit den flinken fingern in die luft expediert. und gleich noch ein paar passanten mit.
du kannst aus dem internet jede art von nachrichten beziehen. du bist da nicht, wie bei den tagesthemen oder heute, auf eine einzige redaktion angewiesen. ein bisschen geschick in den tastenfingern und du kannst die ganz nach deinem geschmack eingefärbten informationen zu dir ins wohnzimmer holen. von horst mahler bis zur antifa. von opus dei bis zu al kaida.
jetzt ist dieser weg aber keine elektronische einbahnstrasse. wo was reinkommt, kommt auch was raus. am rande dieses gegenverkehrs stehen überwachungskameras, die abschöpfen, was als interessant, gewinnversprechend oder auch strafbar gilt.
da wird dann über sperren und schliessen diskutiert und über die meinungsfreiheit, die bedrohter ist als die tier- und pflanzenwelt im golf von mexiko.
jetzt kommt, naiv, wie er nunmal von kelch zu kelch durchs leben schnattert, der veit dazu. wenn die hohen mantelkragen ausspähen, welche lektüre ich mit aufs clo nehme. wenn sie abhören, welche original-aufnahmen von baader, ensslin und meinhof ich zur fortbildung runterlade, wenn sie im regal stöbern und neben „mein kampf“ die ebenso verbotene erstausgabe „wie ich lernte, die bombe zu bauen“ von bommi baumann finden, dann werde ich echt sauer. das geht mir tatsächlich auf den meinungs-sack. im gegensatz zu dem vermutungs-remmi-demmi im web.
vielleicht weiss ich das internet nicht zu schätzen. aber was mach ich schon damit? ich sende und empfange, ich schreibe und lese. ich gehe davon aus, dass mir jeder, der will, auf die schliche kommt. so wie ich, wenn’s mir danach lustig ist, eine neue seite finde, die mich ebenso zufriedenstellt wie die, die gerade gesperrt wurde.
ich gehe einfach grundsätzlich davon aus, dass irgendwann irgendeiner an meiner festplatte dreht, ohne dass ich das mitbekomme. schon deshalb, weil das system das spurenlos ermöglicht. der festplatten-voyeur wird aber nichts finden. weil ich alles, was mich deucht sagen zu müssen, auch öffentlich sage. und menschen, die heller unterm haarschopf sind als ich, dürften das ebenso machen. weil sie zumindest bis zur zustellung der anklageschrift höchstens ahnen können, dass ihnen wer auf die tasten schaut. dagegen hat es schon eher was von beweis, wenn ich nach hause komme und im schlafzimmer einen menschen entdecke, der dort nicht hingehört und der im arbeitszimmer ein paar rebellische texte gefunden hat, die ihm und seinen chefs, den bestimmern über was-ist-meinungsfreiheit-und-was-nicht im schutze der geheimhaltung gar nicht gefallen mögen.
das internet ist wie guerilla-krieg. wenn ich im einen tal nicht weiterkomme, mache ich an der nächsten steige weiter. einen schritt voraus bleibe ich allemal. jetzt glaube keiner, im heim hoffmann sei die meinungsfreiheit des hauses verwiesen. aber nicht doch. bloss halt, dass ich lieber auf der basis von tatsachen und vielleicht auch verfolgungswahn schlegle.
wenn ihr’s bis hier geschafft habt, dann sei euch ein link zu olafs wort-schuetzen geschenkt. da wird das thema zugegebenermassen sachlicher und fundierter behandelt.